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Während meines Austauschs in Barcelona konnte ich viele Eindrücke festhalten, die mich teilweise sehr berühren, aber auch entfremden. Im folgenden werde ich versuchen diese Eindrücke in Worte zu fassen, damit jeder einen Einblick davon bekommen kann, wie diese Stadt auf mich gewirkt hat.

Barcelona ist eine Weltstadt, die sehr groß ist, in der viele Menschen leben und wo immer etwas los ist. Daher fühlte ich mich die ersten beiden Tage sehr fremd. Alles war anders, vor allem viel größer. Besonders für einen Jungen aus Viersen, der so etwas nicht gewohnt ist. Es war eine schwierige Situation für mich, man kommt in eine fremde Familie, eine fremde Stadt mit einer fremden Sprache. Mir war sehr unwohl bei dem Gedanken an die kommenden Tage. Doch ich stellte mich der Herausforderung, Rückhalt gab mir meine Austauschfamilie und besonders mein Austauschschüler Cayetano. Wir verstanden uns von der ersten Sekunde an, wir sind uns sehr ähnlich und vielleicht ist es genau das gewesen, was ich in der Zeit gebraucht habe. Aber auch seine Familie hat mich mit offenen Armen aufgenommen und mich wie ein vollständiges Familienmitglied, wie einen Sohn behandelt. Auch wenn es bei der Sprache mal Probleme gab, hat uns das nicht davon abgehalten uns sehr gut zu verstehen. Sie waren für die Zeit einfach wie meine richtige Familie. Wir hatten sehr viel Spaß zusammen und wiederkommen darf ich auch nochmal. Ich habe dadurch einen tiefen Einblick in das Leben der Familie bekommen und ich muss sagen, dass es sich gar nicht viel von meinem normalen Familienleben unterscheidet. Besonders gut hat mir das gemeinsame Abendessen gefallen, alle waren trotz fortgeschrittener Uhrzeit sehr lebhaft und rede freudig. Vom Essen will ich gar nicht reden, ein Wort reicht um das zu beschreiben.. Fantastisch!


Doch nicht nur die Familie hat Eindrücke hinterlassen, auch die Stadt an sich ist es Wert einige Worte zu schreiben. Barcelona, für mich eine sehr faszinierende Stadt. Ein Ort, der eine gewisse Wirkung auf jeden haben sollte. Eine Vielfalt wie ich sie selten erlebt habe. Ich weiß gar nicht, womit ich anfangen soll, es gibt tausende Dinge, über die ich schreiben könnte. Durch diese enorme Größe der Stadt wird man mit Eindrücken überhäuft und manchmal auch erdrückt. Wenn man durch die Straßen läuft, spürt man eine Gelassenheit und Freude wie ich es kaum beschreiben kann. Die Menschen sind so offen und gesellig, mir fällt es schwer das in Worte zu fassen. Es ist ein ganz anderes Lebensgefühl in Barcelona, ungewohnt schön würde ich dazu sagen. Besonders das Zusammensein mit den anderen Schülern hat mich in gewisser Weise berührt, man kennt sich nicht, ist sich fremd, aber redet miteinander als würde man sich schon sehr lange kennen. Meine Theorie ist, dass man sich nur in Land und Sprache unterscheidet und nicht darin, wie man sich verhält und welche Interessen man hat. Von einem auf den anderen Moment ist man irgendwie miteinander verbunden. Vorurteile sind direkt verflogen.


Barcelona schafft eine gute Verbindung zwischen Früher und Heute. Auffällig ist da die Architektur, sehr alte, aber prachtvolle Bauten treffen auf moderne, schlicht gehaltene Bauwerke. In Barcelonas Architektur hat mich besonders ein Mann beeindruckt, Antoni Gaudi. Als spanischer Architekt verhalf er der Stadt durch seine bedeutenden Bauwerke zu Anerkennung auf der ganzen Welt. Sein wohl bekanntestes Bauwerk ist die „Sagrada Familia“. Gaudi verwendete einen einzigartigen Baustil, seine Werke sind Kunst. Der Grund, warum ich darüber schreibe, ist simpel, aber für mich von großer Bedeutung. Antoni Gaudi ist Barcelona und hinterlässt dadurch auch Spuren bei mir. Zu seiner Zeit war er meines Erachtens maßgeblich für die Verbindung zwischen Moderne und Alter Zeit verantwortlich. Seine Taten hinterlassen selbst heute noch Wirkung.


Doch es gibt für mich noch eine andere Sichtweise auf Barcelona, der Kontrast zwischen Arm und Reich. Ich habe nicht direkt in Barcelona gewohnt wie die anderen, ich war mit Abstand der mit der dem längsten Schulweg. Die Wohnung meiner Familie war in einem Vorort, Santa Coloma. Von vielen wird Santa Coloma auch als Stadt bezeichnet. Wenn man hier durch die Straßen geht, wirkt alles ein wenig kleiner als in Barcelona selbst, dennoch ist es schön dort. Doch der Schein trügt. Von den Straßen aus kann man es nicht sehen, aber wenn man weiß, wo man suchen muss, findet man alles. Vom Balkon aus habe ich die andere Seite von Barcelona kennengelernt, die, die meiner Meinung nach gern versteckt wird. Zwischen den großen Gebäuden, in denen wohlhabende Familien in ihren Wohnungen sitzen, leben Menschen in kleinen Hütten. An einem Tag stand ich lange mit meiner Austauschmutter auf dem Balkon und habe mit ihr geredet, was mit diesen Menschen ist. Sie sagte mir, dass die Leute nichts hätten, kein Geld, keinen Schutz und keine Nahrung. Sie bekommen keine Hilfe wie in Deutschland. Dieser Anblick hat mich sehr mitgenommen, richtig geschockt. Die Menschen, die alles haben, sitzen auf ihren Balkonen und gucken auf die Leute herab. Ich habe mich oft gefragt, wie diese Menschen sich fühlen, ich habe mich sehr schlecht gefühlt. Cayetano hat zu mir gesagt, dass man sich an den Anblick gewöhnt und irgendwann nicht mehr drauf achtet, kaum vorstellbar, aber vielleicht hat er Recht. Wir sind diesen Anblick einfach nicht gewöhnt. Eigentlich unmoralisch sich an so etwas zu gewöhnen.

Abschließend kann ich nur jedem empfehlen nach Barcelona zu reisen und die Eindrücke auf sich wirken zu lassen. Man muss es selbst erlebt haben um sich ein Bild davon zu machen. Trotz allem hoffe ich, dass ich meine Gefühle gut in Worte gefasst habe. Am Ende steht für mich fest, dass ich einen sehr guten Freund dazugewonnen habe und gerne wieder nach Barcelona reisen würde.

Philipp Genenger, Jg. 12                                                         

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